🌿 Wünsche erfüllen in der palliativen Versorgung

Die Erfüllung individueller Wünsche ist ein zentraler Bestandteil der palliativen Haltung. Sie trägt dazu bei, Lebensqualität, Würde, Autonomie und emotionale Stabilität schwerkranker Menschen zu stärken.


1. Bedeutung von Wunscherfüllung

  • Wünsche geben dem Menschen ein Gefühl von Kontrolle und Selbstbestimmung.
  • Sie fördern Lebensqualität, auch wenn keine kurative Behandlung mehr möglich ist.
  • Wunscherfüllung stärkt Vertrauen, Beziehung und die therapeutische Allianz.
  • Sie wirkt sich positiv auf Angehörige aus und unterstützt deren Trauerbewältigung.

2. Arten von Wünschen

Man unterscheidet häufig zwischen:

A) Kleine Wünsche des Alltags

  • Lieblingsessen oder -getränk
  • Kleidung, Musik, Fernsehsendung
  • Frische Luft, Balkon, Garten
  • Besondere Körperpflege (z. B. Rasur, Lieblingsduft)

B) Soziale Wünsche

  • Besuch bestimmter Personen
  • Kontakt zu entfernten Verwandten
  • Versöhnungsmomente oder Gespräche
  • Tierbesuch / Haustiere noch einmal sehen

C) Emotionale / spirituelle Wünsche

  • Gespräche über Sinn, Abschied, Glaube
  • Seelsorge, Rituale, Meditation
  • Erinnerungsstücke, Briefe, letzte Worte

D) Größere Wünsche

  • Letzte Ausflüge (Meer, Wald, See, Heimatort)
  • Teilnahme an wichtigen Ereignissen (Hochzeit, Geburtstag)
  • Noch einmal Lieblingsaktivitäten erleben (z. B. Musik, Orte)

3. Vorgehen in der Pflegepraxis

1. Wünsche erkennen

  • Gesprächsführung (offen, empathisch, wertfrei)
  • Beobachtung nonverbaler Signale
  • Einbezug von Angehörigen
  • Nutzung validierender Techniken

2. Wünsche klären und priorisieren

  • Was ist der konkrete Wunsch?
  • Warum ist er bedeutsam?
  • Welche Ressourcen sind vorhanden?
  • Was ist realistisch und sicher?

3. Interprofessionelle Abstimmung

  • Pflege
  • Ärztlicher Dienst
  • Sozialdienst
  • Seelsorge
  • Ehrenamt / SAPV
  • Angehörige

4. Planung und Umsetzung

  • Risikoabwägung (Transport, Belastbarkeit)
  • Medikamente / Symptomkontrolle beachten
  • Praktische Organisation (Transport, Termin, Umfeld)
  • Sicherheit und Würde wahren

5. Dokumentation & Evaluation

  • Wunsch erfassen
  • Maßnahmen beschreiben
  • Rückmeldung des Patienten einholen
  • Wirkung auf Wohlbefinden beobachten

4. Typische Beispiele aus der Palliativpraxis

  • „Ich möchte noch einmal im Garten sitzen.“
  • „Ich möchte mein Haustier sehen.“
  • „Ich möchte dieses Lied hören.“
  • „Ich möchte ein letztes Mal ans Meer.“
  • „Ich möchte mich mit jemandem aussprechen.“
  • „Ich möchte etwas Bestimmtes essen oder trinken.“

Für Pflegekräfte sind diese Wünsche oft gut umsetzbar und bewirken erstaunlich viel emotionalen Nutzen.


5. Haltung der Pflege

Die Wunscherfüllung orientiert sich an der palliativen Grundhaltung:

  • Menschenwürde wahren
  • Autonomie respektieren
  • Hoffnung ermöglichen – auch ohne Heilung
  • Lebensqualität verbessern
  • Gespräche ermöglichen, nicht vermeiden
  • Mutige, empathische Präsenz

6. Grenzen der Wunscherfüllung

  • Medizinische Risiken (Instabilität, Atemnot, Delir)
  • Rechtliche Aspekte (Transport, Versorgungssicherheit)
  • Ökonomische Grenzen (Kosten/Nutzen-Abwägung)
  • Ethische Konflikte (z. B. Wunsch nach beschleunigtem Sterben)
  • Ressourcen des Teams

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