Praxisanleitung: Verabreichen einer subkutanen Injektion
Thema:
Subkutane Injektion (s.c.) – Medikamentengabe in das Unterhautfettgewebe
Zeitrahmen:
ca. 30 Minuten (inkl. Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung und Reflexion)
Einsatzort:
Stationäre oder ambulante Pflegeeinrichtung, Krankenhaus
Lernvoraussetzungen:
- Kenntnisse über Hautaufbau und subkutanes Gewebe
- Grundkenntnisse der Arzneimittellehre (Wirkstoffarten, Indikationen, Nebenwirkungen)
- Hygienische Arbeitsweise und aseptisches Vorgehen
- Fähigkeit zur sicheren Patient:innenkommunikation
Rahmenbedingungen:
- Anleitungssituation unter Aufsicht einer examinierten Pflegefachkraft
- Ärztliche Verordnung liegt vor
- Material vollständig vorbereitet
- Patient:in ist informiert und einverstanden
- Arbeitsplatz hygienisch vorbereitet, Privatsphäre gesichert
Niveaustufen:
Komplexität: gering bis mittel – standardisierte Maßnahme mit präziser Technik
Verantwortung: Lernende führen die Injektion unter Anleitung und Aufsicht selbstständig durch
Pflegeprozessbezug:
- Phase: Durchführung pflegerisch-medizinischer Maßnahmen
- Pflegeproblem: Medikamentenverabreichung, Schmerzmanagement, Stoffwechselregulation
- Pflegediagnosen: Risiko einer Gewebeschädigung, Risiko einer Infektion
Tätigkeitsarten:
- Hygienisches Arbeiten
- Vorbereitung und Applikation von Medikamenten
- Beobachtung, Dokumentation und Kommunikation
Aufgabenstellung:
Der/die Auszubildende soll unter Anleitung eine subkutane Injektion korrekt vorbereiten, verabreichen, die Wirkung und Verträglichkeit beobachten und die Maßnahme vollständig dokumentieren.
Material:
- Medikament laut ärztlicher Verordnung
- Injektionsspritze (z. B. Insulinspritze)
- Kanüle (z. B. 25–27 G, 12–16 mm)
- Hautdesinfektionsmittel
- Tupfer / Pflaster
- Handschuhe
- Abwurfbehälter für Kanülen und Spritzen
Vorbereitung:
- Händedesinfektion
- Ärztliche Verordnung prüfen (5-R-Regel: richtiger Patient, Medikament, Dosierung, Zeitpunkt, Applikationsweg)
- Medikament vorbereiten:
- Ampulle prüfen (Name, Haltbarkeit, Klarheit)
- Spritze aufziehen, Luftblasen entfernen
- Patient:in informieren und Einverständnis einholen
- Geeignete Injektionsstelle auswählen:
- Bauch (seitlich des Nabels, mind. 2 cm Abstand)
- Oberschenkel (vordere Außenseite)
- Oberarm (hintere Außenseite)
- ggf. Gesäß
- Hautareal inspizieren: keine Rötung, Schwellung oder Hämatome
- Desinfektion der Einstichstelle – trocknen lassen
Durchführung:
- Handschuhe anziehen
- Hautfalte bilden (Daumen und Zeigefinger)
- Kanüle im Winkel von 45–90° zur Hautoberfläche einführen (je nach Nadelgröße und Subkutandicke)
- Medikament langsam injizieren
- Kanüle zügig herausziehen, ggf. mit Tupfer leicht andrücken (nicht reiben)
- Spritze und Kanüle fachgerecht entsorgen (Sicherheitsbehälter)
Nachbereitung:
- Patient:in beobachten (z. B. auf Schmerz, Rötung, Schwindel)
- Bequeme Lagerung
- Händedesinfektion
- Dokumentation: Medikament, Dosierung, Uhrzeit, Injektionsstelle, Reaktion, Initialen
Mögliche Komplikationen:
- Hämatome oder lokale Entzündungen
- Lipohypertrophie (bei wiederholten Injektionen an gleicher Stelle)
- Infektion durch unsauberes Arbeiten
- Schmerz oder Brennen bei zu schneller Injektion
Pflegehinweise:
- Injektionsstellen regelmäßig wechseln (Rotationsschema)
- Einstichstelle sauber und trocken halten
- Beobachtung auf Nebenwirkungen und Wirkung des Medikaments
- Schulung und Anleitung des Patienten bei Selbstinjektion (z. B. Insulin)
Reflexion:
- War mein Vorgehen hygienisch korrekt und strukturiert?
- Habe ich den Patienten verständlich informiert?
- Konnte ich die Angst oder Unsicherheit des Patienten angemessen auffangen?
- Welche Fehlerquellen bestehen und wie kann ich sie vermeiden?
- Wie kann ich meine Technik verbessern?
Förderbare Kompetenzen:
- Fachkompetenz: Pharmakologisches Wissen, Injektionstechnik, Hygiene
- Methodenkompetenz: Strukturiertes Vorgehen, Anwendung von Standards
- Sozialkompetenz: Kommunikation, Empathie, Patientenorientierung
- Personalkompetenz: Selbstreflexion, Verantwortungsbewusstsein, Sicherheit im Handeln

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