Praxisbericht 1 – Subkutane Insulininjektion bei Diabetes mellitus Typ 2
Ausgangssituation
Herr M., 72 Jahre, Bewohner eines Pflegeheims, leidet an Diabetes mellitus Typ 2 und erhält täglich vor dem Frühstück 20 I.E. Mischinsulin (Insulin aspart/NPH). Der Bewohner ist orientiert, benötigt jedoch Unterstützung bei der Durchführung der Injektion, da er an Arthrose in beiden Händen leidet.
Durchführung
Nach der Händedesinfektion überprüfte ich die ärztliche Verordnung, das Insulinpräparat, das Haltbarkeitsdatum und die Dosierung. Ich bereitete den Insulinpen vor und mischte das Insulin durch sanftes Rollen.
Der Patient saß bequem im Bett, die Bauchdecke war freigelegt. Nach Rücksprache wählte ich eine unversehrte Einstichstelle im rechten Unterbauch. Ich bildete eine Hautfalte, setzte die Nadel senkrecht und injizierte langsam die eingestellte Dosis. Nach 10 Sekunden zog ich die Nadel heraus und entsorgte sie sicher in der Abwurfbox.
Beobachtung
Der Patient zeigte keine Schmerzreaktion, die Haut blieb reizlos. Nach der Injektion führte ich eine Blutzuckerkontrolle durch (BZ: 134 mg/dl). Herr M. wurde zum Frühstück begleitet und erhielt eine kurze Erinnerung, dass er nach dem Essen seinen Zuckerwert selbstständig dokumentieren könne.
Reflexion
Die Durchführung verlief komplikationslos. Ich achtete auf das Rotationsprinzip, um Hautveränderungen vorzubeugen. Im Nachgespräch zeigte der Bewohner Interesse, künftig wieder selbst zu injizieren. Ich plane, ihn in kleinen Schritten zur Selbstinjektion anzuleiten.
Praxisbericht 2 – Subkutane Heparininjektion zur Thromboseprophylaxe
Ausgangssituation
Frau M., 65 Jahre, nach Hüft-TEP operiert, ist postoperativ immobil. Laut ärztlicher Anordnung erhält sie 0,4 ml Enoxaparin s.c. täglich um 20 Uhr.
Durchführung
Ich bereitete das Medikament nach dem Vier-Augen-Prinzip vor, überprüfte das Verfallsdatum und erklärte der Patientin den Ablauf.
Die Injektion erfolgte in die linke Bauchseite, etwa 5 cm neben dem Nabel. Ich bildete eine Hautfalte, injizierte das Heparin langsam und wartete 10 Sekunden, bevor ich die Nadel entfernte. Eine leichte Rötung war sichtbar, aber kein Hämatom.
Beobachtung
Die Patientin äußerte kurzzeitiges Brennen, das nach einer Minute nachließ. Keine Blutung, keine Komplikationen.
Ich dokumentierte Zeitpunkt, Ort und Reaktion.
Reflexion
Wichtig war hier die sachgerechte Technik (langsames Injizieren, kein Massieren), um Hämatome zu vermeiden. Ich konnte das Wissen über Heparinwirkung und Nebenwirkungen (z. B. Blutungsneigung) praktisch anwenden. Die Patientin zeigte Vertrauen und fragte nach dem Sinn der Injektion – ein gutes Gespräch über Thromboseprophylaxe konnte stattfinden.
Praxisbericht 3 – Schulung eines Patienten zur Selbstinjektion
Ausgangssituation
Herr M., 58 Jahre, frisch diagnostizierter Diabetes mellitus Typ 2, soll künftig selbstständig Insulin spritzen. Er zeigt Unsicherheit im Umgang mit dem Pen und fürchtet Schmerzen.
Durchführung
Ich erklärte zunächst Aufbau und Funktion des Pens, zeigte die Nadelhandhabung und demonstrierte den Einstich mit einem Lehrmodell. Anschließend durfte Herr M. die einzelnen Schritte mit einem Übungspen durchführen.
Beim ersten echten Versuch wählte er den rechten Oberschenkel, desinfizierte die Haut, bildete eine Falte und injizierte 6 I.E. Insulin lispro unter meiner Anleitung.
Beobachtung
Er zitterte leicht, konnte die Injektion aber korrekt durchführen. Die Haut blieb reizlos. Sein Stolz über die gelungene Selbstinjektion war deutlich.
Reflexion
Diese Schulung zeigte, wie wichtig pädagogische Kompetenz und Empathie in der Pflege sind. Durch verständliche Erklärungen und ruhige Begleitung konnte Herr M. seine Angst abbauen und Selbstvertrauen gewinnen. Ich habe gelernt, dass Geduld und schrittweises Vorgehen entscheidend für den Lernerfolg sind.
Praxisbericht 4 – Umgang mit Komplikation: Lipohypertrophie
Ausgangssituation
Frau M., 70 Jahre, spritzt seit Jahren Insulin in die gleiche Region am Bauch. Bei der Hautinspektion zeigten sich knotige Verdickungen (Lipohypertrophien).
Durchführung
Ich erklärte der Patientin die Ursache und zeigte das Rotationsprinzip mithilfe einer Abbildung. Die nächste Injektion führte ich an der linken Oberschenkelseite durch, um die betroffene Region zu entlasten.
Beobachtung
Die Injektion verlief problemlos. Frau M. berichtete über weniger Brennen und versprach, künftig abzuwechseln.
Reflexion
Ich erkannte die Bedeutung regelmäßiger Hautkontrollen. Die Wirkung des Insulins kann bei Lipohypertrophien stark schwanken. Durch Beobachtung, Aufklärung und Anleitung konnte ich die Therapiequalität langfristig verbessern.
Fazit
Praxisnahe Erfahrung mit subkutanen Injektionen zeigt:
- Sicherheit, Hygiene und Beobachtung sind untrennbar verbunden.
- Kommunikation und Anleitungskompetenz sind entscheidend für Patientenzufriedenheit.
- Jede Injektion ist auch eine Begegnungssituation, in der Vertrauen und Selbstständigkeit gefördert werden.
Pflegeziel:
Fundiertes, reflektiertes Injektionswissen ermöglicht eine sichere, empathische und patientenzentrierte Versorgung.

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