Pflegeplanung in der Palliativpflege
Die Pflegeplanung im palliativen Kontext unterscheidet sich grundlegend von kurativen Pflegeplanungen:
➡️ Sie ist bedarfsgesteuert, flexibel, symptomorientiert, wertebasiert und interprofessionell abgestimmt.
➡️ Ziel ist nicht Heilung, sondern Lebensqualität.
1. Ausgangspunkt: Bedarfsermittlung
Die Pflegeplanung basiert auf einer umfassenden Einschätzung der Bedürfnisse in vier Dimensionen:
- Körperlich (Schmerz, Atemnot, Fatigue, Mundtrockenheit, Schlaf etc.)
- Psychosozial (Angst, Sorgen, Rollenveränderungen)
- Spirituell (Sinnfragen, Hoffnung, Wünsche)
- Sozial (Angehörigenbelastung, Versorgungssicherheit)
2. Individuelle Zielsetzung (patientenorientiert)
Die Ziele in der Palliativpflege sind:
- realistisch,
- kurzfristig,
- lebensqualitätsorientiert,
- am Patientenwillen orientiert.
Beispiele:
- „Schmerzfreiheit von mindestens 6/10 auf 2/10 reduzieren.“
- „Patient wünscht: möglichst wach bleiben, klare Gespräche führen.“
- „Angst soll durch Atemtechniken und Gespräche reduziert werden.“
- „Würde und Ritualwünsche sollen respektiert und ermöglicht werden.“
3. Pflegeprobleme und Ressourcen
Häufige pflegerische Probleme:
- Schmerzen
- Atemnot
- Angst / Unruhe
- Delir
- Appetitlosigkeit, Übelkeit
- Mobilitätseinschränkung
- Hautprobleme
- Einsamkeit
Ressourcen:
- Angehörigenunterstützung
- Bewältigungsstrategien
- Spirituelle Kraftquellen
- Kommunikationsfähigkeit
- Mobilitätsreste
- Lieblingsaktivitäten / Rituale
4. Maßnahmenplanung
Die Maßnahmen orientieren sich an den Bedürfnissen und Zielen des Patienten.
Beispiele für pflegerische Maßnahmen:
Schmerz
- Regelmäßiges Assessment (NRS, BESD)
- Analgetikagabe nach WHO-Stufenschema
- Lagerung, Wärme/Kälte, Aromapflege
- Beobachtung von Nebenwirkungen
Atemnot
- Atemerleichternde Positionen
- Frischluft, Handventilator
- Atemtherapie, beruhigende Anleitung
- Opiatgabe nach ärztlicher Anordnung
Unruhe / Angst
- Validierende Gesprächsführung
- Präsenz, ruhige Atmosphäre
- Entspannungsangebote
- Delirmanagement
Mundpflege
- Regelmäßige Befeuchtung
- Speichelersatz, kühlende Maßnahmen
- Lippenpflege
Ernährung / Flüssigkeit
- Bedürfnisse klären (kein Zwang)
- Kleine Portionen, Lieblingsspeisen
- Aufklärung über Ursachen und natürliche Appetitlosigkeit
Spirituelle Bedürfnisse
- Kontakt zu Seelsorge oder kulturellen Diensten
- Rituale ermöglichen (Musik, Gebet, Symbole)
Angehörigenbegleitung
- Anleitung und psychoedukative Unterstützung
- Entlastung anbieten
- Trauerbegleitung einbeziehen
5. Interprofessionelle Abstimmung
- Regelmäßige Fallbesprechungen
- Kommunikation mit Ärzten, Seelsorge, Sozialdienst, SAPV
- Gemeinsame Zielanpassung
6. Flexibilität und Verlaufsevaluation
Palliativsituationen ändern sich oft sehr schnell.
Deshalb:
- Tägliche/nebenstundenweise Re-Evaluation
- Ziele anpassen, wenn Situation sich verändert
- Maßnahmen fortlaufend aktualisieren
- Finalphase berücksichtigen (z. B. Minnimalpflege, Symptomkontrolle, Ruhe)
7. Dokumentation
Dokumentiert werden:
- Bedürfnisse
- Ziele
- Maßnahmen
- Wirkung (Evaluation)
- Angehörigenkontakte
- Veränderungen / Krisen
- Wünsche, Werte, Sterbeplanung
Wichtig: klar, wertschätzend, personenzentriert, nicht wertend.

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