Symptomkontrolle in der Palliativ Care – Übersicht für die Praxis

Die Symptomkontrolle („Symptommanagement“) ist ein Kernbestandteil der Palliativversorgung. Ziel ist nicht die Heilung, sondern Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern – durch Linderung belastender Symptome, Förderung von Wohlbefinden und Einbezug der individuellen Bedürfnisse.

1. Grundprinzipien der Symptomkontrolle

1.1 Personzentrierte Herangehensweise

  • Wünsche, Werte und Ziele des Menschen stehen im Mittelpunkt.
  • Enge Einbindung von Betroffenen und Angehörigen in Entscheidungen.
  • Regelmäßige Reevaluation (z. B. täglich, bei Veränderungen, bei Krisen).

1.2 Ganzheitlichkeit

Symptomwahrnehmung wird beeinflusst durch:

  • körperliche Faktoren
  • psychische Belastungen
  • soziale und spirituelle Dimensionen

→ Daher: multimodale Interventionen (medizinisch, pflegerisch, psychosozial).

1.3 Kontinuität und frühzeitige Erfassung

  • Standardisierte Assessmentinstrumente nutzen (z. B. ESAS, BPI, MIDOS).
  • Veränderungen dokumentieren und interprofessionell kommunizieren.

2. Häufige Symptome und pflegerische Schwerpunkte

2.1 Schmerz

Assessment

  • Intensität, Lokalisation, Verlauf, Auslöser
  • Instrumente: NRS, VAS, BESD (bei kognitiver Einschränkung)

Maßnahmen

Medikamentös:

  • WHO-Stufenschema
  • Opiate (Morphin, Hydromorphon, Oxycodon), Koanalgetika (Gabapentin, Amitriptylin)

Pflegerisch:

  • Lagerungsmaßnahmen (z. B. 30°-Schräglage, druckentlastende Positionen)
  • Wärme/Kälte (je nach Indikation)
  • Entspannungstechniken (Atemübungen, Aromapflege)
  • Reizreduktion, ruhige Umgebung
  • Beobachtung auf Nebenwirkungen (Obstipation, Sedierung, Übelkeit)

2.2 Dyspnoe

Assessment

  • subjektives Empfinden: „Wie atemlos fühlen Sie sich?“
  • Atemfrequenz, Atemmuster, Angstkomponente

Maßnahmen

Medikamentös:

  • niedrig dosierte Opioide
  • Benzodiazepine bei Angstkomponente
  • Sauerstoff nur bei nachgewiesenem Effekt

Pflege:

  • Oberkörperhochlagerung, Kutschersitz
  • Ventilator oder Luftzug im Gesicht (n. d. Studien sehr effektiv)
  • Atemerleichternde Techniken (zyklische Lippenbremse, Kontaktatmung)
  • Reiz- und Stressreduktion
  • Angehörigenanleitung

2.3 Übelkeit / Erbrechen

Ursachenanalyse

  • Opioid-induziert
  • metabolisch (z. B. Hyperkalzämie)
  • gastrointestinal
  • psychisch getriggert

Maßnahmen

Medikamentös:

  • Metoclopramid
  • Ondansetron
  • Haloperidol
  • Dexamethason bei Hirndruck

Pflege:

  • kleine, häufige Mahlzeiten
  • Geruchsreduktion
  • aufrechte Position nach dem Essen
  • kühlende Gesichtstücher, Mundpflege

2.4 Obstipation

  • sehr häufig als Opioid-Nebenwirkung

Maßnahmen

  • Kombination aus Laxanzien: Stimulanzien + osmotische Laxanzien
  • Flüssigkeitszufuhr fördern (sofern möglich)
  • Bewegung unterstützen
  • Toilettentraining / Intimsphäre wahren

2.5 Angst, Unruhe, Delir

Maßnahmen

Pflegerisch:

  • Orientierungshilfen (Uhr, Tageslicht, vertraute Personen)
  • Reizreduktion
  • Validation, beruhigende Gespräche
  • Nähe / Sicherheit geben

Medikamentös:

  • Benzodiazepine (Angst)
  • Haloperidol, Risperidon (Delir)

2.6 Fatigue

Maßnahmen

  • Aktivitätsplanung („Pacing“)
  • Energiemanagement: Priorisieren, Pausen
  • kurze Aktivierungsphasen
  • Schlafhygiene
  • Anregende Aromapflege (z. B. Zitrusöle), wenn gewünscht

2.7 Terminalphase – spezielle Aspekte

  • Rasselatmung → Anticholinergika, Umlagerung, Angehörigenedukation
  • Mundtrockenheit → intensive Mundpflege statt Flüssigkeitszufuhr
  • Terminale Unruhe → ruhige Atmosphäre, Hautkontakt anbieten
  • Atemmuster wie „Cheyne-Stokes“ → Aufklärung der Angehörigen

3. Rolle der Pflegefachkraft in der Palliativ Care

  • frühzeitiges Erkennen neuer oder verschlechterter Symptome
  • evidenzbasierte Assessments
  • engmaschige Beobachtung & Dokumentation
  • Angehörigenberatung
  • Symptomlinderung mit pflegerischen und medikamentösen Maßnahmen (im Rahmen der Kompetenz)
  • Notfallmanagement bei Krisensymptomen
  • interprofessionelle Abstimmung (Ärzte, SPV-Team, Psychologen, Seelsorge)

4. Wichtige Assessmentinstrumente

  • ESAS (Edmonton Symptom Assessment Scale)
  • MIDOS / IPOS
  • NRS, VAS (Schmerz)
  • Borg-Skala (Dyspnoe)
  • CAM (Delir)

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