Wernicke-Enzephalopathie – Diagnostik
Klinische Trias (klassisch)
- Augenmuskelstörungen (z. B. Nystagmus, Ophthalmoplegie)
- Ataxie (Gangunsicherheit, Koordinationsstörungen)
- Verwirrtheit / kognitive Störungen
Achtung: Die klassische Trias liegt nur bei ca. 10 % der Patient:innen vollständig vor!
Anamnese
- Alkoholabusus (häufigste Ursache, Vitamin-B1-Mangel)
- Mangelernährung (z. B. nach bariatrischer Chirurgie, Krebserkrankungen)
Klinische Untersuchung
- Neurologischer Status (Augenbewegungen, Stand-/Gangprüfung)
- Bewusstseinslage (Desorientierung, Delirzeichen)
Apparative Diagnostik
- MRT: hyperintense Läsionen in Thalamus, Mammillarkörpern, periaquäduktalen Regionen (T2/FLAIR)
- CT: wenig sensitiv, nur bei Ausschluss anderer Ursachen
- EEG: unspezifisch (Verlangsamung)
Labor
- Vitamin-B1-Spiegel (Thiamin) im Blut/Serum → Hinweisend, aber nicht immer beweisend
- Leberwerte (bei Alkoholabusus häufig pathologisch)
- BGA (metabolische Entgleisungen?)
Diagnosekriterien (nach Caine et al., 1997)
Die Diagnose gilt als wahrscheinlich, wenn 2 von 4 Kriterien erfüllt sind:
- Ernährungsdefizit / Alkoholmissbrauch
- Augenbewegungsstörungen
- Zerebelläre Dysfunktion (Ataxie)
- Verwirrtheit / Gedächtnisstörung
Merksatz:
Die Wernicke-Enzephalopathie ist eine klinische Diagnose → bei Verdacht sofortige Therapie mit Thiamin i.v., noch bevor Labor- oder Bildgebung vorliegen!

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