EXPERTENSTANDARD : DEKUBITUSPROPHYLAXE
I. Fachliche Zusammenfassung (ausführlich, prüfungsrelevant)
1. Zielsetzung
- Gefährdung für druckbedingte Haut- und Gewebeschäden früh erkennen
- Entstehung von Dekubitus vermeiden
- Lebensqualität und Mobilität erhalten
2. Definition
Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, verursacht durch Druck oder Druck in Kombination mit Scherkräften.
3. Risikofaktoren
- Immobilität
- Sensorische Einschränkungen
- Mangelernährung / Flüssigkeitsdefizit
- Inkontinenz
- Alter, chronische Krankheiten
- Durchblutungsstörungen
- Sedierung / Bewusstseinsstörungen
4. Risikoeinschätzung
- Initial bei Aufnahme
- Kontinuierlich bei Veränderung des Zustands
- Geeignete Instrumente: Braden, Norton, Waterlow
- Ergänzend: klinische Einschätzung
5. Hautinspektion
- Tägliche Inspektion bei Risikopersonen
- Besondere Aufmerksamkeit: Sakralbereich, Fersen, Trochanter, Ellenbogen, Ohren
- Kriterien: Rötungen, Induration, Temperatur, Schmerz, Schwellung
6. Maßnahmen
Druckentlastung
- Regelmäßige Positionswechsel (alle 2–4 Std. je nach Konzept)
- Mikrolagerungen
- Freilagerung gefährdeter Stellen
- Wechseldrucksysteme, viskoelastische Matratzen
Mobilitätsförderung
- Aktivierung, Frühmobilisation
- Bewegungsübungen
- Sturzfreie Mobilitätsförderung
Hautpflege
- Keine hautschädigenden Massagen
- Feuchtigkeitsregulation
- Schutz vor Mazeration und übermäßiger Trockenheit
Ernährung und Flüssigkeit
- Screening auf Mangelernährung
- Energie- und eiweißreiche Kost
- Ausreichende Hydrierung
Inkontinenzversorgung
- Hautschutzprodukte
- Individuelles Toiletten-, Kontinenz- oder Ableitungskonzept
7. Edukation
- Aufklärung von Betroffenen und Angehörigen
- Anleitung zur Druckentlastung, Bewegung, Selbstbeobachtung
8. Struktur-, Prozess-, und Ergebnisindikatoren
Struktur:
- Geschultes Personal, Lagerungshilfsmittel, Assessmentinstrumente
Prozess:
- Risiko erfasst, Pflegeplanung angepasst, Maßnahmen dokumentiert
Ergebnis:
- Kein neuer Dekubitus
- Verbesserung gefährdeter Hautareale
II. Praxisanleitung – nach deinem vollständigen Format
Thema
Dekubitusprophylaxe – Risikoerfassung, Hautinspektion und Druckentlastung
Zeitrahmen
45–60 Minuten
Einsatzort
Pflegeheim, Krankenhaus, ambulante Pflege
Lernvoraussetzungen
- Grundkenntnisse Anatomie Haut
- Grundlagen Mobilisation und Lagerung
- Hygienische Händedesinfektion
Rahmenbedingungen
- Patient ist einwilligungsfähig oder Angehörige informiert
- Lagerungshilfsmittel verfügbar
- Ruhige Umgebung
- Dokumentationssystem verfügbar
Niveaustufen
Komplexität: mittel
Verantwortung: unter Anleitung, später teilweise selbstständig
Pflegeprozessbezug
- Informationssammlung
- Risikoeinschätzung
- Planung der Prophylaxe
- Durchführung (Lagerung, Hautpflege, Mobilitätsförderung)
- Evaluation
Tätigkeitsarten
- Beobachtung
- Assessment
- Kommunikation
- Dokumentation
- Mobilisation
- Lagerung
Aufgabenstellung
Die/der Auszubildende soll bei einer pflegebedürftigen Person:
- das Dekubitusrisiko einschätzen,
- eine Hautinspektion durchführen,
- eine geeignete druckentlastende Lagerung durchführen,
- Maßnahmen dokumentieren und reflektieren.
Vorgehen – Schritt für Schritt
1. Vorbereitung
- Händedesinfektion
- Vorstellung, Erklärung, Einwilligung einholen
- Hilfsmittel bereitstellen (Kissen, Rollen, Hautschutz, Dokumentation)
2. Risikoassessment
- Braden-Skala / Norton anwenden
- Klinische Einschätzung ergänzen
- Ergebnisse dokumentieren
3. Hautinspektion
- Haut an gefährdeten Stellen inspizieren
- Kriterien: Farbe, Temperatur, Schmerz, Schwellung, Konsistenz
- Rötungen auf „wegdrückbarkeit“ prüfen
- Befunde dokumentieren
4. Maßnahmenplanung
- Lagerungsintervall festlegen
- Gefährdete Stellen entlasten
- Mobilisationsmöglichkeiten prüfen
5. Durchführung
- Ressourcenerhaltende Mobilisation
- Fachgerechte Lagerung (z. B. 30°-Schräglage, Fersenfreilagerung)
- Hautschutz anwenden, falls nötig
- Lagerungskomfort prüfen
- Patient anleiten zur Eigenbewegung
6. Nachbereitung
- Patient sicher positioniert
- Händedesinfektion
- Dokumentation (Assessment, Lagerung, Hautbefund, Wirkung)
Reflexion (mit Leitfragen)
- Konnte ich das Risiko korrekt einschätzen?
- Welche Hautveränderungen fiel mir schwer zu beurteilen?
- War die Lagerung druckentlastend und gleichzeitig komfortabel?
- Welche Maßnahmen würde ich beim nächsten Mal anpassen?
Förderbare Kompetenzen
- Fachkompetenz: Risikoeinschätzung, Hautbeurteilung, Prophylaxen
- Sozialkompetenz: Kommunikation, Empathie, Anleitung
- Selbstkompetenz: Verantwortungsbewusstsein, Reflexionsfähigkeit
- Methodenkompetenz: Assessment, Pflegeplanung, Dokumentation


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