Galle
Die Galle ist eine gelblich-grüne, leicht basische Flüssigkeit, die eine zentrale Rolle im menschlichen Verdauungssystem spielt. Hier sind die wichtigsten medizinischen Fakten zusammengefasst:
Produktion und Speicherung
- Produziert wird die Galle in der Leber – genauer gesagt von den Leberzellen (Hepatozyten).
- Täglich entstehen etwa 700–900 ml Galle, die über die Gallengänge entweder direkt in den Zwölffingerdarm oder in die Gallenblase gelangen.
- In der Gallenblase wird die Galle gespeichert und stark eingedickt – auf das 10- bis 20-fache ihres ursprünglichen Volumens.
Zusammensetzung
Die Gallenflüssigkeit besteht hauptsächlich aus:
- Wasser und Elektrolyten
- Gallensäuren – wichtig für die Fettverdauung
- Phospholipide (z. B. Lecithin)
- Cholesterin
- Bilirubin – ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin

Häufige Beschwerden und Erkrankungen
Gallensteine: entstehen durch ein Ungleichgewicht der Inhaltsstoffe (z. B. zu viel Cholesterin oder Bilirubin).
Gallenkolik: starke Schmerzen durch blockierte Gallenwege.
Cholezystitis: Entzündung der Gallenblase.
Funktionen der Galle
Neutralisation des sauren Speisebreis aus dem Magen.
Fettverdauung: Gallensäuren bilden mit Fetten sogenannte Mizellen, die die Aufnahme im Darm erleichtern.
Ausscheidung von schwer löslichen Stoffen wie Cholesterin, Bilirubin und Medikamenten.
Förderung der Resorption fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K).
Ernährungstipps zur Unterstützung der Galle
Empfohlen: ballaststoffreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und ausreichend Wasser.
Vermeiden: fettreiche, stark gewürzte Speisen, Alkohol, radikale Diäten.
Lernzettel – Gallenwegserkrankungen
| Bereich | Cholangitis | Choledocholithiasis | Papillenkarzinom (Papillen-CA) |
| Definition | Bakterielle Entzündung der Gallenwege (meist durch Abflussstörung) | Steine im Ductus choledochus (Hauptgallengang) | Maligner Tumor im Bereich der Papilla Vateri (Einmündung von Gallengang & Pankreasgang in das Duodenum) |
| Ursachen | – Gallensteine (häufigste Ursache)- Tumoren- Strikturen- Parasiten (selten) | – Verschleppung von Gallenblasensteinen- Primär im Gallengang gebildete Steine | – Unklare Ätiologie- Risikofaktoren: chronische Entzündung, genetische Prädisposition |
| Epidemiologie | – v. a. ältere Patienten- Häufig mit Choledocholithiasis assoziiert | – Häufige Komplikation der Cholelithiasis- Ca. 10–15 % der Patienten mit Gallensteinen entwickeln Steine im Gallengang | – Selten (ca. 0,5–2 % aller malignen GI-Tumoren)- Häufiger bei > 60 Jahren |
| Symptome | – Charcot-Trias: Fieber, Ikterus, Oberbauchschmerz- Schüttelfrost- Abgeschlagenheit | – Oberbauchschmerz- Ikterus- Koliken- Übelkeit/Erbrechen | – Schleichender Beginn- Painless jaundice (schmerzloser Ikterus)- Oberbauchbeschwerden- Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit |
| Therapie | – Antibiotikatherapie- Endoskopische Stein- oder Stententfernung (ERCP)- Beseitigung der Abflussstörung | – ERCP mit Steinentfernung- ggf. Papillotomie- Nachsorge: Cholezystektomie zur Rezidivprophylaxe | – Chirurgische Entfernung (z. B. Whipple-OP)- ggf. adjuvante Chemo-/Radiotherapie- Palliative Maßnahmen bei Inoperabilität |
| Pflegerische Maßnahmen | – Fieber- und Schmerzkontrolle- Flüssigkeitsbilanzierung- Monitoring (Vitalzeichen, Ikterus, Sepsiszeichen)- Psychosoziale Begleitung | – Schmerzmanagement- Nahrungskarenz prä-OP/ERCP- Flüssigkeitsbilanzierung- Aufklärung & postoperative Pflege | – Psychosoziale Betreuung (Krebsdiagnose)- Prä-/postoperative Pflege (Whipple-OP sehr belastend)- Ernährungsberatung (Malabsorption möglich)- Schmerz- und Symptomkontrolle, ggf. palliativ |
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