Praxisanleitung: Begleitung eines Patienten in der Palliativpflege
1. Thema
Ganzheitliche Begleitung eines Palliativpatienten in einer belastenden Situation (z. B. Atemnot, Angst, Schmerzen).
2. Zeitrahmen
30–45 Minuten Anleitung + 10 Minuten Reflexion.
3. Einsatzort
Palliativstation, Hospiz oder häusliche Umgebung / ambulanter Bereich.
4. Lernvoraussetzungen
- Grundkenntnisse Pflegeprozess
- Basiswissen Kommunikation
- Kenntnisse in Symptommanagement (z. B. Schmerzskalen, Atemerleichterung)
- Beobachtungsfähigkeit
5. Rahmenbedingungen
- Ununterbrochene Gesprächssituation
- Anleitung im realen oder simulierten Setting
- Berücksichtigung individueller Bedürfnisse des Patienten
- Einbezug von Angehörigen nach Wunsch
6. Niveaustufen
Komplexität:
mittel – anspruchsvoll (emotionale, kommunikative und symptomorientierte Anforderungen)
Verantwortung:
schrittweise Übernahme, eigenständige Beobachtung, Maßnahmen unter Supervision.
7. Pflegeprozessbezug
- Bedarfsermittlung (körperlich, psychosozial, spirituell)
- Zielformulierung (z. B. Angst reduzieren, Dyspnoe lindern)
- Maßnahmenplanung
- Durchführung und Evaluation
- Dokumentation
8. Tätigkeitsarten
- Beobachtung & Assessment
- Kommunikation & Gesprächsführung
- Symptomlindernde Maßnahmen
- Angehörigenbegleitung
- Dokumentation
9. Aufgabenstellung für den Azubi
Die lernende Person soll einen Palliativpatienten mit aktuell belastendem Symptom (z. B. Atemnot oder Angst) empathisch begleiten und passende pflegerische Maßnahmen umsetzen.
Der Azubi soll:
- eine ruhige, vertrauensvolle Atmosphäre schaffen
- Bedarfsermittlung durchführen (kurz, gezielt)
- validierende Kommunikation anwenden
- symptomorientierte Maßnahmen durchführen
- Patient und Angehörige einbeziehen
- Sicherheit vermitteln
- Beobachtungen dokumentieren
10. Vorgehen (Schritt-für-Schritt)
1. Vorbereitung
- Setting schaffen (Ruhe, Sitzgelegenheiten, Angehörige nach Wunsch)
- Eigene Haltung klären (Präsenz, Offenheit, wertschätzend)
2. Kontaktaufnahme
- Sich vorstellen, Blickkontakt, ruhige Stimme, kurze Erklärung:
„Ich bin bei Ihnen und unterstütze Sie jetzt.“
3. Bedarfsermittlung
- kurze Assessmentfragen:
- „Was belastet Sie gerade am meisten?“
- „Wie stark ist Ihre Atemnot/Angst/Schmerz?“
- Körperbeobachtung (Atmung, Haut, Motorik, Anspannung)
4. Maßnahmen
Je nach Symptom:
Atemnot
- aufrechte Position
- offene Fenster / Luftzufuhr
- Lippenbremse anleiten
- Beruhigung durch Stimme und Berührung
- Bedarfsmedikation vorbereiten (Ärzteabsprache)
Angst/Unruhe
- NURSE-Technik anwenden
- Hand halten, Präsenz signalisieren
- kurze, klare Sätze
- Entspannungsangebote (Atem, Musik, Halten)
Schmerzen
- NRS erheben
- bequeme Lagerung
- Wärme/Kälte (wenn angezeigt)
- Wirkung der Medikation beobachten
5. Angehörige einbeziehen
- Ängste und Fragen aufnehmen
- kurze Erklärungen
- Anleitung bei einfachen Unterstützungsmaßnahmen
6. Evaluation
- Wirkung der Maßnahmen überprüfen
- Rückmeldung des Patienten einholen
- Anpassung der Maßnahmen
7. Dokumentation
- Beobachtungen
- Maßnahmen
- Verlauf
- subjektives Empfinden des Patienten
11. Reflexion (mit Leitfragen)
- Was lief gut in der Begleitung?
- Wie habe ich auf Emotionen reagiert?
- Welche Maßnahmen waren wirksam?
- Wie habe ich die Atmosphäre gestaltet?
- Habe ich die Wünsche des Patienten ausreichend berücksichtigt?
- Wo brauche ich noch Unterstützung?
12. Förderbare Kompetenzen
- Beziehungsgestaltung (Kompetenzbereich 1)
- Kommunikation & Gesprächsführung (K1.4, K2.1)
- Symptommanagement (K2)
- Umgang mit Krisen & belastenden Situationen (K3)
- Ethisch reflektiertes Handeln (K4)
- Selbstreflexion (K5)

10 Fragen für die Praxisanleitung in der Palliative Pflege
1. Was ist das Hauptziel der Palliativpflege?
Antwort:
Das Ziel ist nicht Heilung, sondern die Verbesserung der Lebensqualität durch Linderung von körperlichen, psychosozialen und spirituellen Beschwerden sowie die Unterstützung von Patienten und Angehörigen.
2. Welche vier Dimensionen umfasst die Bedarfsermittlung in der Palliativpflege?
Antwort:
- Körperliche Bedürfnisse (z. B. Schmerz, Atemnot)
- Psychosoziale Bedürfnisse (z. B. Angst, Trauer)
- Spirituelle Bedürfnisse (z. B. Sinnfragen, Hoffnung)
- Soziale Bedürfnisse (z. B. Angehörigenbelastung, Versorgung)
3. Was bedeutet “Total Pain” nach Cicely Saunders?
Antwort:
Der Begriff beschreibt ganzheitliches Leiden, das aus körperlichen, emotionalen, sozialen und spirituellen Komponenten besteht – alle können sich gegenseitig verstärken.
4. Welche Rolle spielt die Kommunikation in der Palliativpflege?
Antwort:
Sie ist zentral, da sie Orientierung, Sicherheit und Vertrauen schafft. In der Palliativpflege wird empathisch, validierend und offen kommuniziert (z. B. mit SPIKES oder NURSE).
5. Nenne drei Maßnahmen zur Linderung von Atemnot.
Antwort:
- aufrechte, atemerleichternde Position
- Frischluft/Luftzufuhr, Handventilator
- ruhige Atemanleitung (z. B. Lippenbremse)
- Opiate nach ärztlicher Anordnung
(Mehrere richtige Antworten möglich.)
6. Wie kann eine Pflegefachkraft Angst oder Unruhe beim Patienten unterstützen?
Antwort:
Durch Präsenz, beruhigende Kommunikation, Validierung von Gefühlen, Atemtechniken, Orientierung, ruhige Umgebung und ggf. medikamentöse Maßnahmen im Team.
7. Welche Aufgaben hat die Pflegefachkraft in der Sterbephase?
Antwort:
- Würde und Ruhe ermöglichen
- Symptome lindern (Atemnot, Schmerzen, Angst)
- Angehörige begleiten
- Veränderungen erklären (z. B. Cheyne-Stokes-Atmung)
- Minimalpflege
- Rituale respektieren
8. Warum sind Angehörige wichtige Partner in der Palliativversorgung?
Antwort:
Sie kennen die Wünsche und Ressourcen des Patienten, unterstützen emotional und praktisch und sind selbst Mitbetroffene, die ebenfalls Begleitung, Entlastung und Information benötigen.
9. Was bedeutet “Advance Care Planning” (ACP)?
Antwort:
Ein strukturierter Prozess, in dem Patienten im Voraus ihre Wünsche zu medizinischen Maßnahmen, Behandlungslimits, Notfallsituationen und Versorgungszielen festlegen.
10. Welche Bedeutung hat die Selbstfürsorge der Pflegefachkraft?
Antwort:
Sie schützt vor Überlastung, verbessert die Beziehungsqualität und sichert langfristig die professionelle Haltung. Methoden: Teamgespräche, Supervision, Pausen, Reflexion, Grenzen wahrnehmen.

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