Schmerzbehandlung in der Palliativpflege
Die Palliativpflege verfolgt das Ziel, das Leiden zu lindern und Lebensqualität zu sichern, nicht die Krankheit zu heilen. Schmerztherapie ist dabei ein zentraler Bestandteil.
1. Grundlagen der Schmerzbehandlung
- Total-Pain-Konzept: körperliche, psychische, soziale und spirituelle Schmerzanteile berücksichtigen.
- Regelmäßige Schmerzeinschätzung mit validierten Skalen:
- NRS (0–10)
- VRS (verbale Ratingskala)
- BESD / PAINAD bei dementen Patient:innen
- Präventive Analgesie: Schmerzen nicht abwarten, sondern vorausplanen.
- Evidenzbasierte WHO-Stufenschema, individuell angepasst.
2. WHO-Stufenschema der Schmerztherapie
Stufe 1 – Nichtopioidanalgetika
Leichte Schmerzen
Substanzen:
- Paracetamol
- Metamizol
- NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) – Vorsicht bei Niereninsuffizienz, Blutungsrisiko
Pflegefokus:
- Wirkung/Nebenwirkungen überwachen
- Gastroprotektion (NSAR)
Stufe 2 – Schwache Opioide
Mäßige Schmerzen
Substanzen:
- Tramadol
- Tilidin/Naloxon
Pflegefokus:
- Übelkeit, Obstipation, Schwindel beachten
- Kombination mit Nichtopioiden sinnvoll
Stufe 3 – Starke Opioide
Starke Schmerzen
Substanzen:
- Morphin
- Hydromorphon
- Oxycodon
- Fentanyl (transdermal oder i.v.)
- Buprenorphin (transdermal)
Wichtige pflegerische Aspekte:
- Obstipationsprophylaxe immer obligat
- Atemdepression beobachten
- Schluckstörungen berücksichtigen → transdermale oder parenterale Formen
- Breakthrough Pain: Bedarfsmedikation bereithalten (ca. 1/6 der Tagesdosis)
3. Therapie spezieller Schmerzformen
Neuropathische Schmerzen
Medikamentöse Zusatztherapie notwendig:
- Gabapentin / Pregabalin
- Amitriptylin / Duloxetin
Knochenschmerzen
- Opioide
- Kortikosteroide
- Bisphosphonate
- Radiatio (palliative Bestrahlung)
Viszerale Schmerzen
- Opioide
- Butylscopolamin bei kolikartigen Schmerzen
- Spasmolytika
Entzündliche Schmerzen
- NSAR
- Kortikosteroide
4. Nichtmedikamentöse Maßnahmen
Essentiell in der Palliativpflege, oft genauso wirksam:
Körperliche Verfahren
- Wärmeanwendungen (feuchte Wärme, Wärmflasche – Vorsicht bei Sensibilitätsstörungen)
- Kälteanwendungen
- Lagerung zur Druckentlastung
- Atemtechniken, Entspannungsübungen
Psychosoziale Maßnahmen
- Seelsorge / Gespräche
- Einbezug der Angehörigen
- Ablenkung, Musik, Aromaöle (Lavendel, Orange)
Physiotherapie / Massage
- Mobilisation nach Toleranz
- Lymphdrainage bei Tumorödemen
5. Interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Schmerzvisite gemeinsam mit Ärzt:innen
- Dokumentation: Schmerzintensität, Verlauf, Wirkung, Nebenwirkungen
- Evaluation mehrmals täglich bei instabilen Patient:innen
- Ethik einbeziehen bei komplexen Entscheidungen (z. B. Sedierung)
6. Palliative Sedierung (Ultima Ratio)
Wenn unerträgliche Symptome trotz optimaler Therapie bestehen:
Indikationen:
- therapieresistenter Schmerz
- therapierefraktäre Atemnot
- schwerste Angst- oder Erregungszustände
Substanz:
- Midazolam (kontinuierlich titriert)
Ethik/Pflege:
- klare Indikationsstellung
- sorgfältige Dokumentation
- engmaschige Evaluation
- Angehörigenbegleitung

Schreibe einen Kommentar