Zytostatika – Erste Einblicke
Zytostatika sind Arzneimittel, die die Teilung und Vermehrung von Zellen hemmen. Sie werden vor allem in der Tumortherapie (Chemotherapie) eingesetzt, können aber auch bei Autoimmunerkrankungen Anwendung finden.
1. Was sind Zytostatika?
Zytostatika greifen in den Zellzyklus ein und verhindern, dass sich Zellen teilen können.
Da Krebszellen sich sehr schnell teilen, trifft die Wirkung sie besonders stark – aber auch gesunde, schnell wachsende Zellen sind betroffen.
👉 Deshalb entstehen typische Nebenwirkungen wie Haarausfall oder Schleimhautentzündungen.
2. Wirkmechanismen (Grundlagen)
Zytostatika lassen sich nach ihrer Wirkung grob einteilen in:
A) Alkylantien
- Schädigen die DNA dauerhaft
- Zellen können sich nicht mehr teilen
➡ häufige Vertreter: Cyclophosphamid, Ifosfamid
B) Antimetabolite
- täuschen Bausteine der DNA/RNA vor
- blockieren die Zellteilung
➡ z. B.: 5-Fluoruracil (5-FU), Methotrexat
C) Mitosehemmstoffe
- verhindern die Bildung des Spindelapparats
- die Zelle bleibt in der Teilung „stehen“
➡ Beispiel: Vincristin, Paclitaxel
D) Topoisomerase-Hemmer
- blockieren wichtige Enzyme der DNA-Replikation
➡ z. B.: Irinotecan, Doxorubicin
3. Besondere Risiken im Umgang
Für Pflegekräfte ist wichtig:
Gefährdungen:
- Gefahrstoffe → können mutagen, karzinogen, reproduktionstoxisch sein
- Aufnahmewege: Haut, Atemwege, Schleimhäute, Stichverletzungen
Konsequenz:
➡ Zytostatika gehören zu den gefährlichsten Arzneimitteln im klinischen Bereich.
➡ Sie dürfen nur mit entsprechender Schulung und Schutzausrüstung gehandhabt werden.
4. Schutzmaßnahmen (Basiswissen für Pflege)
Persönliche Schutzausrüstung (PSA):
- Doppelhandschuhe (getestet für Zytostatika)
- Flüssigkeitsdichter Schutzkittel
- Schutzbrille / Visier bei Spritzgefahr
- Atemschutz je nach Arbeitsplatz
Technik:
- Zubereitung ausschließlich in der Apotheke in einer Reinraumwerkbank
- kein Aufziehen oder „Nacharbeiten“ auf Station
- fachgerechte Abfallentsorgung (zytotoxische Abfälle)
💉 5. Aufgaben der Pflege bei der Verabreichung
- Identitätskontrolle
- Kontrolle auf Partikel, Verfärbungen, Leckagen an der Infusion
- Infusionsstelle regelmäßig kontrollieren (Extravasate!)
- Nebenwirkungen beobachten
- Vitalparameter überwachen
- Patienten informieren & begleiten
6. Häufige akute Nebenwirkungen
- Übelkeit & Erbrechen
- Fatigue
- Schleimhautentzündungen (Mukositis)
- Myelosuppression (Blutbildveränderungen)
- Haarausfall
- Neuropathien (Taubheit, Kribbeln)
7. Wichtig für die Prüfung / Ausbildung
- Zytostatika NIE auf Station zubereiten
- PSA immer vollständig tragen
- Exposition vermeiden
- korrekte Entsorgung
- Extravasate: sofortiges Handeln
- Patientenedukation (Hygiene, Infektionsschutz, Flüssigkeitszufuhr)
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